Herbst am Bodensee

Wenn im Okto­ber mor­gens der Nebel über dem Boden­see liegt und die Aus­flugs­schif­fe still am Steg schau­keln, zeigt sich Kon­stanz von sei­ner gemüt­lichs­ten Sei­te. Ein Herbst­spa­zier­gang an der Hafen­pro­me­na­de ist dann genau das Richtige.

Die meis­ten Som­mer­gäs­te sind abge­reist, auf den Bän­ken und in den Cafés am Was­ser ist wie­der Platz, und das Herbst­laub taucht die Stadt in war­me Far­ben. Für uns vom Gästehaus Centro ist das die schöns­te Zeit für einen Spa­zier­gang am Hafen, ob mit Freun­den, mit dem Hund oder mit der gan­zen Fami­lie. Am Ende jedes Rund­gangs war­tet eine Dame, an der nie­mand vor­bei­kommt: die Imperia.

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War­um sich der Herbst lohnt

Konstanzer Hafen mit Schiffen und Riesenrad an einem ruhigen Herbsttag
Der Kon­stan­zer Hafen im Herbst · Foto: Ilo Frey / Pexels

Der Herbst am See hat zwei Gesich­ter. Mor­gens liegt oft noch mys­ti­scher Nebel über dem Was­ser, sodass Hafen, Schif­fe und Sta­tue erst aus nächs­ter Nähe auf­tau­chen. Lich­tet sich der Nebel gegen Mit­tag, sorgt der war­me Föhn häu­fig für eine so kla­re Sicht, dass die Schwei­zer Ber­ge zum Grei­fen nah wir­ken. Dann ist der Blick über den See ein ganz beson­de­rer Anblick.

Nach der Zeit­um­stel­lung Ende Okto­ber färbt die tie­fe Son­ne den See schon am frü­hen Abend in war­me Töne.

Start vor unse­rer Haustür

Konstanz in der Abenddämmerung mit ruhigem Wasser und beleuchteten historischen Gebäuden
Kon­stanz in der Abend­däm­me­rung · Foto: Lum3n / Pexels

Vom Gästehaus Centro aus sind Sie in weni­gen Geh­mi­nu­ten am Hafen. Sie über­que­ren den Bahn­hof­platz und ste­hen fast sofort am Was­ser. Links liegt das Kon­zil­ge­bäu­de, in dem heu­te ein geho­be­nes Restau­rant mit Blick auf den See zu Hau­se ist.

Das Gebäu­de wur­de im 14. Jahr­hun­dert als Lager- und Kauf­haus errich­tet und schrieb wäh­rend des Kon­stan­zer Kon­zils Geschich­te: 1417 wähl­ten die Kar­di­nä­le hier Papst Mar­tin V. Genau auf die­se Zeit spielt auch die Figur an, die Sie am Ende der Hafen­mo­le sehen.

Die Impe­ria – neun Meter Sati­re auf altem Fundament

  • 9 mhoch
  • 18 tschwer
  • ~4 Min.pro Umdre­hung
  • 1993ent­hüllt
Imperia-Statue am Ende der Hafenmole von Konstanz in Schwarz-Weiß
Die Impe­ria an der Hafen­ein­fahrt · Foto: Maso­od Asla­mi / Pexels

Die Impe­ria ist neun Meter hoch, 18 Ton­nen schwer und steht auf einer Dreh­schei­be, die sich in etwa vier Minu­ten ein­mal um die eige­ne Ach­se dreht. Blei­ben Sie also ruhig einen Moment ste­hen: Sie prä­sen­tiert sich Ihnen stolz von allen Seiten.

Span­nend ist auch der Sockel, auf dem sie steht. Er gilt als ältes­te Pegel­mess­sta­ti­on in Baden-Würt­tem­berg und wur­de 1816 im dama­li­gen Molen­turm ein­ge­rich­tet. Der Turm wur­de 1890 abge­ris­sen, die Mess­sta­ti­on blieb erhal­ten. Auf ihren Res­ten stell­te der Bild­hau­er Peter Lenk am 24. April 1993 sei­ne Sta­tue auf.

Papst, Kai­ser und eine Kur­ti­sa­ne: Was die Figur erzählt

Die Impe­ria ist eine sati­ri­sche Anspie­lung auf das Kon­stan­zer Kon­zil von 1414 bis 1418. In ihren erho­be­nen Hän­den hält sie zwei klei­ne, nack­te Män­ner. Der eine trägt Kai­ser­kro­ne und Reichs­ap­fel und steht für die welt­li­che Macht, der ande­re trägt die Papst­ti­a­ra und steht für die kirchliche.

Ihren Namen hat die Figur aus der Erzäh­lung „La Bel­le Impé­ria“ von Hono­ré de Bal­zac. Dar­in ist Impe­ria eine Kur­ti­sa­ne, die zur Kon­zils­zeit in Kon­stanz lebt und welt­li­che wie geist­li­che Wür­den­trä­ger um den Fin­ger wickelt. Der Chro­nist Ulrich Richen­tal hielt sogar fest, wie vie­le Frau­en damals ihr Geschäft mit den Gäs­ten der Stadt machten.

Die Deu­tung der Sta­tue lässt Raum. Die einen sehen dar­in eine Abrech­nung mit der Dop­pel­mo­ral der Mäch­ti­gen, die ihren Trie­ben nach­ga­ben und sich damit aus­lie­fer­ten. Ande­re den­ken an das Mär­chen „Des Kai­sers neue Klei­der“: Mit ihrer Nar­ren­kap­pe über­nimmt die Impe­ria die Rol­le des Hof­nar­ren, der das Spiel durch­schaut. Peter Lenk selbst ver­steht sein Werk als humor­vol­le Spit­ze und sieht auch in den bei­den Män­nern Nar­ren, die nach Macht gegrif­fen haben.

Vom Skan­dal zum Wahrzeichen

Ange­sto­ßen wur­de das Pro­jekt von den Boden­see-Schiffs­be­trie­ben, dem Frem­den­ver­kehrs­ver­ein Kon­stanz und den Wir­ten am See. Als Inspi­ra­ti­on soll die ame­ri­ka­ni­sche Frei­heits­sta­tue gedient haben. Was genau ent­ste­hen wür­de, wuss­te vor­ab kaum jemand: Die Figur wur­de nachts auf­ge­stellt und erst bei der Ent­hül­lung sichtbar.

Danach war die Auf­re­gung groß. Vor allem kirch­li­che Krei­se und kon­ser­va­ti­ve Stadt­rä­te for­der­ten die sofor­ti­ge Ent­fer­nung, weil die Impe­ria die Kir­che ver­un­glimp­fe und einer Pro­sti­tu­ier­ten ein Denk­mal set­ze. Doch der Boden unter der Sta­tue gehör­te nicht der Stadt, son­dern der Bahn. Die Stadt konn­te die Figur des­halb nicht ent­fer­nen lassen.

Heu­te ist aus dem Ärger­nis ein Wahr­zei­chen gewor­den. Die Impe­ria begrüßt jedes Schiff, das in den Hafen ein­läuft, und ist auf Post­kar­ten, in Rei­se­füh­rern und auf unzäh­li­gen Urlaubs­fo­tos zu sehen. Ihr ein­mal Hal­lo zu sagen, ist aus unse­rer Sicht ein abso­lu­tes Muss.

Noch mehr zur Geschich­te rund um Kon­zil und Sta­tue lesen Sie in unse­rem Bei­trag Impe­ria und das Kon­stan­zer Kon­zil.

Wei­ter am Was­ser: Stadt­gar­ten und Seerhein

Bunte Herbstbäume an einem Fluss in einem Park
Herbst­stim­mung am Was­ser (Sym­bol­bild) · Foto: White Noiise / Pexels

Von der Impe­ria aus lohnt es sich, nicht gleich umzu­keh­ren. Gehen Sie am Gon­del­ha­fen vor­bei in den Stadt­gar­ten, wo das bun­te Herbst­laub unter den alten Bäu­men liegt. Wenn Sie dem Ufer wei­ter fol­gen, errei­chen Sie den Rhein­tor­turm, eines der erhal­te­nen mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­to­re. Von hier geht es am See­rhein ent­lang bis zur Rhein­brü­cke. Zurück spa­zie­ren Sie durch die Gas­sen der Nie­der­burg, den ältes­ten Teil der Altstadt.

Gut zu wis­sen: Der gan­ze Rund­gang dau­ert in gemüt­li­chem Tem­po etwa eine Stun­de und ist weit­ge­hend eben. Er eig­net sich also auch für Gäs­te, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, und für Fami­li­en mit Kinderwagen.

Tipps für Ihren Herbstspaziergang

  • 🧣Warm anzie­henAm Was­ser ist es spür­bar küh­ler als in der Stadt, beson­ders bei Wind oder Nebel.
  • 📸Licht nut­zenFür Fotos der Impe­ria ist der spä­te Nach­mit­tag ide­al, wenn die tie­fe Son­ne die Figur seit­lich anstrahlt.
  • ☕Pau­se ein­pla­nenRund um den Hafen fin­den Sie Cafés zum Auf­wär­men. Unse­re Restau­rant-Emp­feh­lun­gen hel­fen bei der Auswahl.
  • 🔄Nicht het­zenDie Impe­ria dreht sich ohne­hin. Wer kurz war­tet, sieht sie von allen Seiten.

Ihr Herbst in Kon­stanz – nur weni­ge Schrit­te vom Gästehaus Centro

Bei Ihrem Auf­ent­halt zei­gen wir Ihnen gern den schöns­ten Weg zum Hafen. Spre­chen Sie uns ein­fach an der Rezep­ti­on oder beim Früh­stück an. Gern stel­len wir Ihnen auch eine indi­vi­du­el­le Rou­te zusam­men, auf der Sie wei­te­re Sehens­wür­dig­kei­ten von Kon­stanz entdecken.

Noch mehr Ideen für die Jah­res­zeit: Erleb­nis­se für den Herbst in Kon­stanz.

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